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Krisenmanager und Unternehmer

Krisenmanager und UnternehmerBericht aus der Allgäuer Zeitung

Die Gewächshäuser der Gärtnerei Schorer in Oberostendorf platzen derzeit aus allen Nähten. Auf 2500 Quadratmetern stehen dicht an dicht Blumen, Obst und Gemüse, Kräuter und Bäumchen. „Das ist die ungünstigste Zeit für Gärtner um zuzuhaben“, sagt Markus Schorer. Er ist Juniorchef des Familienunternehmens. In den kommenden drei bis vier Wochen muss die Ware verkauft werden, sonst kann er sie auf den Kompost werfen. Doch wegen der hohen Corona-Inzidenz im Ostallgäu darf er seinen Laden seit Montag nicht mehr öffnen.

Die bislang gültige Ausnahmeregelung für Gartencenter und Gärtnereien wurde wieder gekippt. Besonders das Hin und Her zwischen Auf und Zu sei sehr unübersichtlich, kritisiert der 38-Jährige.
„Am Montag hatten wir ganz geschlossen. Am Dienstag kam dann raus, dass wir essbare Sachen verkaufen dürfen.“ Schnell hat er Gemüse, Salate, Beeren und Kräuter in einer eigenen Abteilung gleich am Eingang zusammengefasst. Da dürfen sich die Kunden selbst bedienen. „Das klappt ganz gut“, freut er sich. Ohnehin sei das Thema Selbstversorgung momentan extrem gefragt. Für den Rest, insbesondere für seine Topfpflanzen, gilt „Click & Collect“. Nur: Das werde so gut wie gar nicht angenommen. Er fürchtet, auf seiner Ware sitzen zu bleiben. So wie es ihm schon mit den Weihnachtssternen gegangen ist. „Von 1500 Stück habe ich 300 verkauft, den Rest habe ich an Altenheime und Geschäftspartner verschenkt.“

Viel hat er sich einfallen lassen, um seinen Kunden einen sicheren Einkauf zu ermöglichen. Er hat sich ein CO²-Messgerät besorgt das anzeigt, wann er lüften muss. „So viel Luft und Platz wie bei uns gibt es in keinem Supermarkt“, betont Schorer. Sogar eine Freiluftkasse hat er aufgestellt. Keiner seiner Kunden müsse somit zum Zahlen einen geschlossenen Raum betreten. „Ich glaube nicht, dass sich bei uns jemand ansteckt“, sagt er. Trotz all seiner Bemühungen fühlt sich Schorer von der Politik vergessen. „Ich bin Krisenmanager und Unternehmer“, sagt Schorer, der als Schlagzeuger der Partyband Waidigel normalerweise jedes Wochenende auf der Bühne stehen würde. Im Frühjahr würde außerdem die Heiratssaison losgehen.

„Wir machen zwei bis drei Hochzeiten pro Wochenende.“ Doch die seien schon bis Juli alle abgesagt. Auch Beerdigungen fallen in Coronazeiten deutlich kleiner aus als sonst. Das ist alles Umsatz, der ihm wegbricht. Seine acht Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken, kommt für Schorer trotzdem nicht infrage. „Die Arbeit ist ja da“, sagt er. Er selbst verlegt seine Tätigkeit vermehrt zu den Kunden, pflanzt dort Hecken und Bäume oder hebt im Garten ein Loch für das Trampolin aus. Im Winter ist er im Auftrag des Landkreises mit seinem Schneepflug unterwegs gewesen. Über dieses zweite Standbein ist Schorer in der Krise heilfroh. Große Hoffnung setzt er auf die geplante bundesweite Regelung zur Corona-Notbremse. Denn danach dürfte er wieder öffnen. Schorer: „Nur die bayerischen Gärtnereien müssen derzeit geschlossen bleiben.“